Jahrelang haben die staatlichen Behörden die Existenz der Neonazigruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) nicht aufgedeckt, sie teilweise sogar gedeckt. Die Konzepte, der geistige und aktionistische Erfahrungsraum der 1990er Jahre sind der Hintergrund, vor dem die drei Mitglieder der “NSU-Zelle” in den bewaffneten Untergrund gingen.

Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kiliç, Mehmet Turgut, Ismail Yaşar, Thoedoros Boulgarides, Mehmet Kubaşik, Halit Yozgat. Neun migrantische Arbeiter und Kleinunternehmer wurden in den Jahren 2000 bis 2006 kaltblütig hingerichtet, erschossen mit derselben Tatwaffe. Jahrelang konnte die Polizei die Morde nicht aufklären, weil Rassismus nie ernsthaft als Tatmotiv in Erwägung gezogen wurde.

Erst ein Zufall machte im November 2011 die Existenz einer für die Morde verantwortlichen rechtsterroristischen Gruppe in Deutschland bekannt. Der „NSU“ ermordete 2007 zudem die Polizistin Michèle Kiesewetter und verübte mindestens zwei Bombenanschläge in Köln.Die seit einem Jahr laufenden Untersuchungen zum NSU offenbaren das Versagen der Ermittlungsbehörden und eine undurchsichtige Rolle der Geheimdienste. Über Jahre wurde trotz ausbleibenden Ermittlungserfolgen an einer Hypothese festgehalten, nach der die Morde in Zusammenhang mit „organisierter Kriminalität“ in einem als fremd wahrgenommenen Milieu gedeutet wurden. Die Sichtweise und Vermutungen der Angehörigen der Opfer wurden nicht ernst genommen, stattdessen wurden sie als Personen mit Verbindungen in das „kriminelle Milieu“ diffamiert, kriminalisiert und ausspioniert.

Ein Vortrag über die vorhandenen Fakten zum Komplex “NSU”, den historischen und den aktuellen politischen Kontext des “Rechtsterrorismus”, die Rolle der Geheimdienste und der Medien mit Referent_innen vom apabiz.

Eine Veranstaltung von:
„Rassismus tötet!“ Göttingen, „Extrem Daneben“ und dem antifaschistischen pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.

28.03.2012 | 18.30 Uhr | Holbornsches Haus, Rote Straße 34