VA: „Die Weimarer Republik wurde von Extremisten in die Zange genommen“

Vortrag und Diskussion zur Kritik der Extremismusformel
28.10.2015 | SPD-Haus (Forum) | Nikolaistraße 30 | 18:00 Uhr

Eintritt gegen Spende.

Am 9. November 2014 zog Rolf-Georg Köhler (OB Göttingen, SPD) auf der Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen 1938 die Lehre aus dem „dunklen Kapitel unserer Vergangenheit“ – gemeint war der Nationalsozialismus –, dass „Extremisten“ zu bekämpfen sind. Damit reihte er sich in eine politische Debatte ein, die die Extremismusformel als innenpolitischen Ordnungsbegriff verwendet, um gesellschaftliche Konflikte und historische Prozesse zu deuten. Darin spielt die Interpretation, dass die Weimarer Republik von sogenannten Links- und Rechtsextremisten in die Zange genommen worden sei, eine zentrale Rolle.

In diesem Vortrag soll anhand der scharfsinnigen materialistischen Kritik des linkssozialistischen Rechtsanwaltes und Politikwissenschaftlers aus jüdischem Elternhaus Franz Leopold Neumann (1900 – 1954) verdeutlicht werden, warum die Extremismusformel nicht nur für die Analyse der Gegenwart, sondern auch mit Blick auf historische Ereignisse vollkommen verkürzt ist.

Im ersten Teil des Vortrags wird aufgezeigt, was es mit der Extremismusformel auf sich hat und wie die Ideologie der Extremismusformel dazu beiträgt, die Erinnerung an die Weimarer Republik antikommunistisch zu wenden. Diesem ordnungspolitischen Kassenschlager werden im zweiten Teil die Ideen Neumanns gegenüber gestellt. Anhand seiner Kapitalismus- und Ideologiekritik soll aufgezeigt werden, warum es falsch und verkürzt ist, auch mit Blick auf die Weimarer Republik, das Ticket der Extremismusformel zu ziehen.

Der Referent, Felix Sassmannshausen, hat Politikwissenschaften studiert und promoviert zur Demokratietheorie Franz Neumanns.